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Leseprobe (Buchseiten 123-125)
Etwas aufgeregt fahre ich am Freitag zur Verabredung. »Wollen wir was essen gehen?«, fragt Herr Scheid. »Prima Idee«, antworte ich. Er fährt mit mir zum Tenniscenter. Zeigt mir den riesigen Komplex, Schwimmbad, Sauna, Solarien, kleine Läden, Squash-Center, verschiedene Cafés usw. »Dort ist ein klasse Restaurant«, sagt er. Wir gehen hinein und finden einen gemütlichen Tisch in der Ecke. Beide bestellen wir ein Nudelgericht. »Hier fühle ich mich wohl, wenn ich Tennis spiele!«, spricht er. »Es ist auch sehr schön hier«, stelle ich fest. Dann frage ich, ob er was unternommen hätte, seinen Sohn zu sehen. »Ja, ich habe angerufen. Nächste Woche fahre ich wahrscheinlich hin. Es ist ziemlich weit zu fahren.« »Ist doch toll«, meine ich, »die Fahrt lohnt sich sicher.« »Zu Hause habe ich auch schon einiges geschafft, Kisten ausgeräumt, nur Gardinen fehlen noch. Langsam akklimatisiere ich mich hier.« »Ist doch prima.« »Sie helfen mir sehr dabei. Ich komme mir nicht mehr so alleine hier vor.« Er nimmt meine Hand und fragt: »Wollen wir nicht einfach Du zueinander sagen?« Leicht aufgeregt meine ich: »Gerne.« Wir stoßen mit den Gläsern an. »Ich heiße Gunther.« »Ich heiße Katja.« »Es redet sich so viel leichter«, stellt er fest. Wir reden noch sehr viel. Wir merken gar nicht, was um uns vorgeht. Plötzlich steht ein Mann vor unserem Tisch. »Hallo, Gunther«, meint er. »Hallo, Felix.« Gunther stellt vor: »Mein Tennispartner, meine Bekannte.« Freundlich begrüße ich den Tennispartner. Er fragt Gunther, wann sie wieder spielen. Sie verabreden sich für Sonntagnachmittag. Als er weg ist, fragt Gunther mich, ob ich auch mal mit ihm spielen würde. Das hatte ich erwartet. »Ich bin Anfängerin«, erwidere ich. »Das macht doch nichts, ich zeige dir noch ein paar Tricks.« »Mal sehen«, antworte ich und nehme mir fest vor, etwas zu trainieren. Als wir wieder im Auto sitzen, meint er: »Wir haben zwar Brüderschaft getrunken, dazu gehört aber noch was.« Er zieht mich an sich und küsst mich zärtlich. Seine Lippen sind weich und warm. Unterwegs zeigt er mir noch die Schule, an der er unterrichtet. Als wir aus dem Auto steigen, meint er: »Ich muss dir unbedingt noch zeigen, was ich alles geräumt habe.« Neugierig gehe ich mit hinein. Tatsächlich, er hat die Kisten ausgeräumt und eine Unmenge von Büchern und exotische Dekorationsartikel sind überall aufgestellt. »Schön hast du das gemacht«, sage ich. »Und was für tolle Sachen das sind!«, stelle ich fest. Er erklärt mir die Bedeutung von einigen Dingen. »Faszinierend«, sage ich. Ich sehe die Gitarre liegen und sage ihm, dass er sehr schön spielen kann. »Was möchtest du hören, ich spiele nur für dich.« »Was dir so einfällt.« Er spielt ein Lied, wie er sagt, aus Venezuela. Ich höre sehr aufmerksam zu. Es klingt sehr melodisch. »Ein Liebeslied«, erklärt er. Dann nimmt er mich zaghaft in den Arm und küsst mich. Es ist sehr aufregend. »Jetzt trinken wir aber den Sekt«, meint er. Er geht, holt den Sekt und Gläser, stellt sie auf den Tisch. Er will den Sekt öffnen. Da klingelt das Telefon. Leicht irritiert stutzt er. »Wir lassen es einfach klingeln«, meint er. Es ist ruhig. Aber gleich darauf klingelt es wieder. Er hebt den Hörer ab. »Mutter«, sagt er, »was ist?« »Ach, die Gardinen«, höre ich ihn. Irgendwie erwache ich aus einem Traum. Mir fällt mir ein, wie spät es schon ist. Nachdem er aufgelegt hat, sage ich: »Ich muss jetzt gehen.« Ich stehe auf und gehe zur Tür. Gunther begleitet mich. »Bleib doch noch etwas«, sagt er. »Nein, ich muss jetzt wirklich gehen«, sage ich. Ich küsse ihn noch zart auf die Wange. »Ich rufe dich an«, sagt er. Unterwegs denke ich, was wäre passiert, wenn das Telefon nicht geklingelt hätte? Ist so was Fügung?
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