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TRIGA - Der Verlag Gerlinde Heß
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Wir wünschen Ihnen ein gutes Jahr 2012
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Klaus Pfaff: Davids Makel
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Inhalt
Der Herrscher der Unterwelt heißt Hades, Pluto, AIDES, er ist ein Gott mit vielen Namen und gab einer Krankheit ihren Namen: AIDS. Eine gewagte Schlussfolgerung?
In der Tat, eine gewagte, eine avantgardistische, provozierende, eine aufregende Schlußfolgerung. Andererseits wieder nicht weniger gewagt, provozierend und aufregend als das ganze Buch. David, der HIV-Positive, David, der Familientherapeut, der Kunstsinnige, der Liebende und Geliebte, David, der Lebenshungrige, der Lebens-Positive spielt darin die Hauptrolle. Leidenschaftlich und mitreißend. Und entwickelt phantastische Perspektiven.
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Autorenporträt
Klaus Pfaff, Jahrgang 1955, arbeitet in unterschiedlichen Projekten der AIDS-Arbeit, ist fachlicher Leiter der Augsburger AIDS-Hilfe und in freier Praxis als Familientherapeut in München tätig.
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Vorwort von Harald Stadler
Mit AIDS zu leben ist nicht leicht, über AIDS zu schreiben zweimal nicht. Vor jedem Jubel oder Tadel erhebt sich die Frage, welchen Nutzen Literatur im Zeitalter von AIDS überhaupt haben kann. Brauchen wir einen AIDS-Roman? Immer wieder ist zu hören, die Öffentlichkeit warte auf „den großen deutschen AIDS-Roman”. Hofft man auf Siechtumsvoyeurismus als Buchmarktlücke, Leichenfledderei als Kassenschlager? Ist man es satt, sich im Bombardement der bunten Blätter von immer neuen AIDS-Meldungen ständig erneut aufschrecken zu lassen? Will man endlich einmal eine literarische stilistische Verfremdung in eine genügend sichere Distanz rücken? Es wird nicht nur irgendein Roman erwartet, sondern ein „großer”. Doch was ist ein „großer” Roman, wenn nicht ein Text, der betroffen, sichtbar und bewußt macht? Der Wunsch nach einem „großen AIDS-Roman” weckt den Verdacht, das Thema solle ins Museale verdrängt werden, statt in das Bewußtsein des Alltags vorzudringen. Sind große Romane Zeichen einer großen Kultur, so kann es gar keinen „großen AIDS-Roman” geben, denn von einer AIDS-Kultur kann keine Rede sein, solange AIDS in die Subkultur verbannt bleibt. Wer sich mit AIDS befassen will, braucht gar keinen Text. Wer aber auf einem Literaturmonument für AIDS besteht, sollte sein Interesse an ästhetischer Größe nicht als Engagement für die Sache ausgeben. Des weiteren, so wird erwartet, soll dieses literarische Denkmal für AIDS ein Roman sein. Nun, was darf es denn sein – ein Schauerroman, ein Ärzteroman, ein Bildungsroman, etwas Postmodernes, ein Thriller? Ist der Roman überhaupt das geeignete Genre für AIDS? Gewiß ließe sich argumentieren, der Roman dränge sich förmlich auf, um sich einer Grenzerfahrung wie AIDS von innen und außen verstehend anzunähern. Doch solch ein Argument baut darauf, daß allein schon das Vertrauen auf die Tradition und innovative Kraft des Genres genügt, um ein Werk zu gebären – daß Literatur sozusagen aus Literatur gezeugt wird. Ob daraus aber ein „großes” Werk entsteht, ist fraglich. Alle „groß” erscheinenden Romane quellen – und quälen sich – nicht aus der Literatur, sondern aus dem Leben.
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Zwischen dem Roman und dem Phänomen AIDS besteht keine zwingende Verbindung. Wenn der Roman eine typische literarische Form des bürgerlichen Zeitalters darstellt, so kommt er in den Zeiten von AIDS nicht mehr in Frage, denn AIDS markiert den feierlichen Abgesang der bürgerlichen Moral. Auch wenn der Roman als ideologisches Produkt und ästhetischer Ausdruck des Zeitalters der Aufklärung verstanden wird, hat er sich als Auftrittsplattform für AIDS disqualifiziert, denn es gibt Anzeichen dafür, daß uns AIDS in gewissen Bereichen in einen vor-aufklärerischen Zustand zurückgeworfen hat. Sprache und Bilder in Berichten über AIDS hallen oft wie ein Echo aus dem ausklingenden Mittelalter wider; manches Illustrierten-Cover und Feature über AIDS beschwört Visionen eines Dürer, Breughel oder Bosch und die Sprache eines Grimmelshausen oder Gryphius herauf.Entscheidend ist, daß wir den Blick wenden – von der Literatur als System auf AIDS als Symptom. Bei AIDS geht es nicht darum, Romane zu schreiben. Wer im Angesicht von AIDS auf einen großen Roman wartet, hat im Grunde von AIDS nichts kapiert, hat die Schrift an der Wand nicht wahrgenommen und wird auch in einem dichten literarischen Werk nicht viel mehr erkennen. Wer über AIDS etwas wissen will, kann dies überall erfahren; er muß nur aufhorchen – offen, sensibel, moralfrei. Menschen mit HIV und AIDS hätten einiges zu sagen. Doch wer darauf besteht, dies habe in der Form eines großen Romans zu geschehen, macht sich eines unverzeihlichen Zynismus schuldig. Nicht nur in Selbsthilfegruppen haben sie für sich gesprochen; auch im Literaturbetrieb haben sie einiges vernehmen lassen, wie die Vielzahl autobiographischer Texte beweist. Sie hätten noch viel mehr zu erzählen: im Familienkreis, am Arbeitsplatz und in der Medienöffentlichkeit. Wir müssen nur hinhören. Wozu soll also ein AIDS-Roman gut sein? Als Spiegel der Realität brauchen wir ihn nicht; das leisten bereits journalistische Reportagen sowie autobiographische Texte von Menschen mit AIDS. Als Utopie für ein Heilverfahren, das uns Wissenschaft, Politik und Gesellschaft derzeit nicht zu verheißen vermögen, könnten wir ihn sehr wohl brauchen.
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Presseinfo
Fünf Schauplätze in Italien entsprechen formal den Stadien in der Liebesbeziehung zwischen David, der seit elf Jahren mit HIV lebt, und seinem römischen Freund, dem Archäologen Giacomo. Die Beziehung der beiden entwickelt sich unspektakulär, eine Beziehung, wie sie jeder haben könnte. Von Schwierigkeiten Giacomos mit seinem Coming-Out, der Konfrontation mit Davids Infektion, schließlich Giacomos Gewahrwerden seiner eigenen Infektion bis hin zur Erkrankung an AIDS. Die vornehmliche Funktion der durch Dialoge vorangetriebenen Handlung besteht darin, den Leser wie in einem Einführungskurs umfassend über HIV und AIDS zu informieren und ihm die Sicht aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu eröffnen. Der Autor entfaltet dabei ein Kaleidoskop von Zusammenhängen. Medizinische, psychologische, familiäre wie gesellschaftliche Voraussetzungen werden beleuchtet, Astrologie, Mythologie und Literatur kommen zu Wort, und immer wieder lässt der Autor seine Figuren gewagte und teilweise provozierende Bezüge zu AIDS herstellen.
Die Diktion des Protagonisten David lässt zwar den therapeutischen Hintergrund des Autors Klaus Pfaff nicht verleugnen, doch wird gleichzeitig offenbar, dass hier einer schreibt, der etwas zu sagen hat.
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Pressestimmen
Adam, September 2002:
... Ihr Schicksal macht der Autor, selbst Therapeut und Leiter der Augsburger Aids-Hilfe, zur provokanten Spurensuche nach einer provozierenden Krankheit.
Nordbayer. Kurier, 28.11.01:
... Davids Makel – ein emotionales Buch. Der Familientherapeut schrieb sein Buch sehr emotional und versuchte, verschiedene Perspektiven miteinander zu verschmelzen. Dialoge und Gespräche setzt er als dramaturgische Elemente ein.
profun, Frühjahr 1999:
... Die einfühlsame Geschichte des HIV-Positiven David, der seinen Freund verloren hat. Er flieht nach Italien und lernt dort eine neue große Liebe kennen, muß sich erneut mit Krankheit und Freundschaft auseinandersetzen, ohne jedoch in Resignation und Selbstmitleid zu verfallen ...
Die andere Welt, Januar 1999:
... Dieses Buch ist ein Wagnis. Kein Abenteuer. Ein Wagnis, geschrieben worden zu sein, und ein Wagnis, gelesen zu werden. Warum? Wegen der ungeheuren Emotionalität, mit der es entstanden ist, und wegen der ungeheuerlichen Emotionen, die es freisetzt ...
... Das Entscheidende an diesem Buch ist die Emotionalität. Hier befasst sich ein Mann literarisch mit HIV-Infektionen und mit AIDS und wagt es vom Leben her zu schreiben, nicht vom Tod. Und darüber hinaus vom Sieg über den Tod: von der Liebe. Das ist es, was die ungeheuerlichen Emotionen beim Lesen freisetzt, Klaus Pfaffs schlichtes, unausgeschriebenes Credo für die Liebe unter den Menschen ...
Siegessäule, September 1998:
... Die Sprachen Liebender, wissenschaftliche Begriffssysteme – Pfaff versteht es, die verschiedenen Kontexte, in denen Aids eine Rolle spielen muß, miteinander zu verweben, füreinander fruchtbar zu machen. Der Autor blickt dabei auf seine zehnjährige Erfahrung aus zahlreichen Aids-Projekten zurück. Mit kenntnisreichen Ausflügen in die Welt der griechischen Mythologie, der Astrologie und Homöopathie fügt er ungewohnte Perspektiven hinzu. Man muß sich diesen Sichtweisen nicht verpflichtet fühlen, um „Davids Makel” gewinnbringend lesen zu können. Ebensowenig ist es notwendig, in jeder Einzelheit mit Davids psychologischen Ausführungen übereinzustimmen. Entscheidend ist: Dieses Buch zeigt Aids nicht als unverrückbares Faktum, sondern als Krankheit, deren Gestalt man verändern kann, indem man lernt, sie anders zu betrachten. Die Medizin wird dabei harsch kritisiert, nicht jedoch denunziert: „Es geht mir nicht um Sieger und Besiegte”, sagt David am Schluß, „und es kann im Kampf um Aids niemals darum gehen, dem Sterben auszuweichen, es kann nur darum gehen, das Leben und die Liebe nicht zu behindern.” ...
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