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24.04.2012 

 

 

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Gisela Editha Dubberké: Durch tiefstes Dunkel zum Licht
Wertvolle Erinnerungen an eine gefühlsreiche Zeit

 

Leseprobe (Seiten 41-45)

Angelina
Die Sterbebegleitung hat mich gelehrt, dass es
zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die unerklärlich
sind und doch geschehen.
Ende November trat Frau Schlochtermeyer in
unser Leben – werde sie Angelina nennen – sie
war der rettende Engel in ausweglos scheinender
Zeit.
Eine kleine 83-jährige Dame, starke Persönlichkeit,
vom Glauben durchdrungen und mit der
Gabe versehen, verzweifelten hilfsbedürftigen
Wesen, die Erlösung erflehen, um innere Ruhe
ringen, zu helfen. Sehr schnell entwickelte sich
eine echte liebevolle Verbindung.
Ich ließ die beiden allein, um nicht zu stören – die
Gebete intensiv, von Schluchzen und Tränen
begleitet. Kurt hat sich ganz geöffnet, die Qualen
seiner gepeinigten, zermarterten Seele preisgegeben
– und Angelina zeigte immer Verständnis.
Ihm von der unendlichen Güte Gottes berichtet,
der besonders behutsam sein wird mit Lebewesen,
die auf Erden Höllenpein ausgesetzt waren.
Immer öfter beteten sie gemeinsam das Vaterunser.
Mein tägliches Dasein änderte sich insofern,
dass ich morgens ganz hektisch, laut wimmernd
begrüßt wurde:
»Wir müssen gleich beten und danken, dass du
gesund angekommen bist; das könnte auch anders
sein.« Da hatte er Recht. Wie gut, dass er nicht
wusste, dass seine Frau über eine Schnellstraße
hastete, alte Steinstufen rauf, am Wald entlang –
schlecht beleuchtet – eine gefüllte Wasserflasche
in der Hand, falls jemand aus dem Gebüsch treten
sollte ...
Diese panikartige Gebetsphase dauerte etwa drei
Wochen, dann wurde sie immer ruhiger, gelassener;
das Weinen hörte allmählich auf und vor
Weihnachten sagte Kurt:
»Angelina darf uns immer besuchen, aber für
meine Seele brauche ich sie nicht mehr. Ich bin
glücklich.« Und Angelinas Worte:
»Mein schönster Tag, der 22.12.04, als Ihr Mann
offenherzig eingestand: ›Jetzt hat das Leben einen
Sinn – habe allen vergeben – bin frei und in Frieden.‹
«
Wenige Tage vor seiner Abberufung faltete er
meine Hände, legte die seinen darüber:
»Hast auch du allen Schuldigern vergeben?« Erst
als ich bejahte, lehnte er sich gelöst zurück –
»Dann kann ich zu Gott gehen.«
In Angelinas Bewusstsein ist tief verwurzelt: Niemand
wird verdammenswert geboren, aber es gibt
dunkle Wesenheiten und wer es zulässt, bei dem
schleichen die Unholde sich ein, nisten sich fest
– Schlimmes verheißend. Drei davon, der Neid, der
Hass, die Angst. Menschen werden zu schändlichen
Dingen getrieben – bis hin zum Mord. Diese
Teufelsmächte fürchten das Gebet (man sagt ja im
Volksmund »... wie der Teufel das Weihwasser«)
und auch so sind sie nur zu vertreiben.

Ein unsichtbares stählernes Band ward geknüpft –
wie konnte es anders sein, dass Angelina des
Nachts erwachte, ein Bild sah: Ein kleiner Bub
geisterte verloren umher. »Mein Kind, wer bist du
denn, brauchst du Beistand?« Die Erscheinung
verblasste und nebelartig stieg die Gestalt eines
Jünglings empor.
»Herr, was willst du mir sagen?« Da plötzlich –
ein sichtbares Zeichen und sie versuchte, durch
Gebete die schwere Last des Kreuzes zu mindern.
Bei der nächsten Begegnung Kurts bange Nachfrage:
»Haben Sie meine Hilfeschreie gehört?«
»Ja, der himmlische Vater hat sie mir vermittelt.
« – Welch wunderbare Erkenntnis ...
Wenn mir jemand all dies vor ein paar Monaten
erzählt hätte – Unverständnis, Ungläubigkeit
wären die Folge gewesen. Nun habe ich meine
Einstellung zum Schicksal, zu Gott neu überdacht.
Ich habe die schmale Gratwanderung gespürt–
oftmals zu dicht am Abgrund gestanden und die
Befürchtung, mein geliebter Kamerad würde im
Wahnsinn enden, angekettet in einer Nervenheilanstalt
– eine entsetzliche Vorstellung; deshalb ist
diese Wende, Errettung ein wahres Wunder. Das
Versprechen Angelinas hat sich erfüllt: Friedvoll
ging er von Erden – ewig sei ihr dafür gedankt!
»Ich werde Ihnen sagen, wenn er im Lichte
angekommen, alle meine Kinder, die ich zu Gott
geführt habe, erscheinen mir.«
Ungefähr zehn Tage nach seinem Heimgang
berichtete sie:
»Ich hab ihn gesehen, er hat sich mir gezeigt, sein
Geistkörper Mitte vierzig, mit zwei gesunden
Beinen – und Ihr Haupt hatte er mit unzähligen
Rosen geschmückt.« – Welch ein beseligender
Gedanke
 

 

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